Früherkennung

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Früherkennung von Prostatakrebs auf dem Irrweg?
Für diesen Artikel in der Zeitschrift “Apotheker-Zeitung” (Deutscher Apotheker Verlag) wird Prof. Dr. Bauer interviewt.


Auf dem Irrweg – Ein neuartiger Krebstest galt als Meilenstein in der Früherkennung von Tumoren. Jetzt ziehen Wissenschaftler die Zuverlässigkeit des Verfahrens stark in Zweifel.

Mit dieser Schlagzeile verunsicherte der Spiegel in seiner Ausgabe 22/2008 nicht nur Patienten, sondern ließ auch die Fachwelt aufhorchen. Bei dem kritisierten Krebstest handelt es sich um einen Urintest zur Prostatakarzinom-Früherkennung, den sogenannten DiaPat-PC-Test. Er basiert auf einem neuen Verfahren, der Proteomanalyse. Anhand eines spezifischen Proteinmusters im Urin soll er unter Einbeziehung des PSA-Wertes nach Herstellerangaben in hohem Maße zuverlässig Auskunft darüber geben, ob ein Prostatakarzinom vorliegt oder nicht.

Die Kritik an diesem Verfahren schwelt schon seit Längerem. Führende Urologen hatten die unzureichende Datenlage angeprangert und entsprechend aussagekräftige Studien gefordert. Dieser Forderung ist die verantwortliche Herstellerfirma Mosaiques diagnostics and therapeutics AG, Hannover nachgekommen und hat Anfang diesen
Jahres einen Artikel publiziert, in dem über Ergebnisse zu Identifikation und Validierung von zwölf für das Prostatakarzinom wichtigen Biomarkern berichtet wird (n=86). Anhand dieser und weiterer Studien mit insgesamt 534 Patienten werden folgende Schlussfolgerungen gezogen:

  • Unter Einbeziehung des PSAWertes und des Alters der Patienten erzielt die Proteomanalyse des Urins eine Sensitivität von 91% und eine Spezifität von 69% (n= 264; auswertbare Proben n=213)
  • Die Verwendung von Mittelstrahlurin führt aufgrund von fehlendem Prostataprotein zu falsch negativen Ergebnissen (n=184)

Publiziert wurde die Arbeit in der renommierten Zeitschrift Proteomics Clinical Applications.

Im Gegensatz dazu stehen die in dem Spiegel-Artikel zitierten und in der Zeitschrift „Der Urologe“ veröffentlichten Ergebnisse einer von Prof. Dr. Axel Semjonow und sieben weiteren Kollegen durchgeführten Untersuchung von 18 Proben. Nur jedes zweite durch den DiapatPC-Test erzielte Ergebnis soll mit den im Vorfeld schon durch Biopsien gesicherten Diagnosen übereingestimmt haben. In einer der DAZ vorliegenden Stellungnahme der Firma Mosaiques diagnostics and therapeutics AG heißt es dazu: „Die Art und Weise, wie die Untersuchung von Herrn Semjonow publiziert wurde, entspricht nicht den wissenschaftlichen Gepflogenheiten … Denn die Untersuchung ist weder vom Design, der Populationsgröße noch der praktischen Durchführung (Lagerung der Proben) und dem wissenschaftlichen Vorgehen als seriös zu bezeichnen. Hinzu kommt, dass der Autor nachweislich bei der Entwicklung eines alternativen Testverfahrens für ein Konkurrenzunternehmen (Epigenomics) tätig ist und die notwendige Neutralität somit stark bezweifelt werden muss.“

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