Belastungsinkontinenz des Mannes

Belastungsinkontinenz des Mannes

Die Belastungsinkontinenz des Mannes ist überwiegend iatrogen bedingt. Dabei ist die häufigste Ursache die radikale Prostatektomie (totale Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs) mit einer persistierenden Inkontinenzrate von 10–20 %. Aber auch nach TUR-P, Adenomenukleation und Harnröhrenoperationen kann eine Belastungsinkontinenz auftreten.
Die primäre Therapie der postoperativen Belastungsinkontinenz (PPI) ist die Physiotherapie, wobei hier das Beckenbodentraining eine zentrale Rolle spielt. Bei nicht ausreichender Besserung unter konservativer Therapie wird eine operative Therapie empfohlen. Entscheidend für die Wahl der idealen Behandlung für den einzelnen Patienten ist vor allem eine ausführliche Diagnostik.

Folgende Systeme kommen zum Einsatz:

Artifizieller Sphinkter (künstlicher Schließmuskel)

Der artifizielle Sphinkter galt über Jahrzehnte als Standardtherapie für Männer mit persistierender moderater bis schwerer PPI. Die Erfolgsrate (0–1 Vorlage) liegt bei bis zu 80 %.

Mögliche Komplikationen sind Infektionen und Harnröhrenatrophie bzw. Arrosion.

Adjustierbare Schlingensysteme

In Deutschland werden drei verschiedene adjustierbare Schlingensysteme verwendet (Argus, ATOMS, Remeex), wobei alle im Bereich der bulbären Harnröhre auf den Musculus bulbospongiosus platziert werden. Das Wirkprinzip basiert dabei auf einer permanenten Erhöhung des urethralen Widerstandes zur Unterstützung der Basiskontinenz.

Die Erfolgsraten (0-1 Vorlage) liegen bei ca. 65-70% und sind zwischen den oben genannten Systemen vergleichbar. Adjustierbare Systeme können bei bestrahlten und nicht-bestrahlten Patienten eingesetzt werden.

Vorteil dieser Systeme ist, dass jederzeit, auch noch nach Jahren, eine Adjustierung bei wiederauftretender Inkontinenz erfolgen kann.

Mögliche Komplikationen sind Infektionen und in seltenen Fällen persistierende Schmerzen.

Funktionelle Schlingensysteme

Die transobturatorische AdVanceXP-Schlinge wird retrourethral im Bereich der membranösen Harnröhre direkt auf den Bulbus implantiert. Die Wirkung ist bisher nicht abschließend geklärt, scheint aber multifaktoriell zu sein, wobei u. a. eine Korrektur der postoperativen urethralen Hypermobilität, eine Verlängerung der funktionellen Harnröhre sowie ein venöser Sealingeffekt eine Rolle zu spielen scheinen. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Operation ist eine ausreichende Beweglichkeit der hinteren Harnröhre, eine gute Restfunktion des Schließmuskels im sogenannten „Repositionierungstest“ und kein nächtlicher Urinverlust.

Kontinenzraten liegen bei 65-70%.

Bei Patienten mit zusätzlicher Bestrahlung zeigt die AdVanceXP-Schlinge deutlich reduzierte Erfolgsraten.

Komplikationen sind typischerweise selten, schwerwiegende Komplikationen (z. B. Infektionen und persistierende Schmerzen) sind eine absolute Seltenheit.